Ruinen-Romantik und rauschender Wasserfall

 

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Verläßt man die A 5 Karlsruhe – Freiburg an der Ausfahrt Achern und folgt der Landesstraße in Richtung Kappelrodeck erreicht man nach ca. 15  km das kleine Örtchen Ottenhöfen. Ein Straßenschild weist den Weg nach „Allerheiligen“, dem Ziel unserer Fahrt am vergangenen Wochenende.

Anfahrtsskizze

Fährt man über die letzte Bergkuppe eröffnet sich ein wundervoller Blick ins Lierbachtal:  Hier steht, inmitten einer idyllischen Naturkulisse, die mächtige Ruine des ehemaligen Prämonstratenser-
Klosters von Allerheiligen.

Erbaut wurde das Kloster um 1195. Im Jahre 1804 wurde das Kloster aufgelöst, und ein Jahr später zerstörte ein Brand, verursacht durch einen Blitzschlag, einen großen Teil der Klosteranlage und dieses verfiel zunehmend. Ab 1840, im Zeitalter der Romantik, wurden die Klosterruine und die benachbarten Wasserfälle touristisch erschlossen.

Klosterruine

In einem benachbarten Wirtschaftsgebäude befindet sich seit 1840 eine Gaststätte. Zum Komplex gehören des weiteren zwei große Gebäude, die in früheren Zeiten (um 1870) erbaut und als  Kurhotel genutzt wurden, eine Kapelle sowie mehrere Nebengebäude. In
einem der Gebäude ist ein kleines Museum und ein Hofladen untergebracht.

Gästehäuser 1
Gelbes Gebäude: Gästehaus „Löwenherz“

Wir waren hier mit Freunden verabredet, zum gemeinsamen Wandern und um einige gesellige Stunden miteinander zu verbringen. In einem der ehemaligen Hotelgebäude, dem heutigen „Gästehaus  Löwenherz“ hatten wir Zimmer gebucht. Betrieben wird das Gästehaus sowie das danebenliegende Gruppenhaus „Barbarossa“ vom gemeinnützigen Verein EOS, der u.a. in der Jugendhilfe engagiert ist. Während sich im Gruppenhaus „Barbarossa“ einfach eingerichtete Schlafräume für Schulklassen und für Jugendfreizeiten befinden (70 Betten), ist das Gästehaus „Löwenherz“ sehr schön und romantisch ausgestattet.

2 Gebäude
lins Gästehaus „Löwenherz“, rechts Gruppenhaus „Barbarossa“

In Einzel-, Doppel- und Familienzimmern sowie einem Apartment stehen insgesamt 22 Betten zur Verfügung. Die hübschen Jugendstil-Zimmer sind renoviert und modernisiert, und mit schönen (Dusch-)bädern und in dem Apartment zusätzlich mit eigener Küche ausgestattet.

Die Zimmer sind nach berühmten, historischen Liebespaaren benannt (wir schliefen im Zimmer „Faust und Gretchen“) und

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liebevoll mit Antiquitäten gewollt altmodisch  möbliert. Über den Betten hängt, passend zum Zimmernamen, jeweils das Bild des betreffenden Liebespaars.

romantische Zimmer
„Faust und Gretchen“

 

romantisches Zimmer unter dem Dach
Gästehaus flur
Flur mit schönen Mosaikfliesen aus dem Baujahr um 1870

Im Erdgeschoss des Gästehauses gibt es eine Küche sowie eine Art Speisesaal. Da wir eine große Gruppe waren hatten wir das gesamte Haus für uns.

Am Samstag Abend haben wir alle gemeinsam in der benachbarten Gaststätte „Klosterhof Allerheiligen“ sehr lecker gegessen. Auf der Speisekarte stehen gutbürgerliche und regionale Spezialitäten, und zum Nachtisch gibt’s natürlich Schwarzwälder Kirsch-Torte.

Da Allerheiligen ein beliebtes Ausflugsziel ist, sollte man aber auf jeden Fall reservieren, sonst bekommt man vermutlich keinen Platz. Vor allem, wenn man wie wir eine größere Gruppe ist.

Gaststätte

Am Samstag, unserem Ankunftstag, machten wir uns auf den Weg zu einer ca. 6 km entfernten, bewirtschafteten Hütte (mit gelber Raute gekennzeichnete Route). Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, und wir mussten auf halbem Weg umkehren.  Wir hatten nicht mit so hohem Schnee gerechnet, zumal wir alle bei frühlingshaften Temperaturen und strahlend blauem
Himmel von zuhause losgefahren waren.

Der Wanderweg führte meist steil bergauf, was vor allem für die Kinder in der Gruppe und für die beiden kleinen Hunde, die mit von der Partie waren,  zu beschwerlich wurde.

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Wunderschöner Wanderweg mit herrlichem Panoramablick.

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Mein Hund Chipsi, eine West-Highland-White-Terrier-Dame fortgeschrittenen Alters, kämpfte sich tapfer durch den Schnee.

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Die Allerheiligen-Wasserfälle

Am nächsten Morgen standen die Allerheiligen-Wasserfälle auf dem Programm. Die Allerheiligen-Wasserfälle, auch Büttensteiner
Wasserfälle genannt, sind die höchsten Wasserfälle im Nordschwarzwald und zählen mit ca. 66 Metern Höhe zu den größten Wasserfällen Deutschlands außerhalb der Alpen. Das wusste ich aber vorher noch nicht, und war schließlich ziemlich überwältigt von dem herrlichen Naturschauspiel, dass sich mir einige Minuten später bot.

Bachlauf 2
Sanft geht der Weg am Bächlein entlang los

Zunächst führt der Weg ganz harmlos nahezu eben an dem sanft plätscherndem Bächlein entlang. Nach ca. einem halben Kilometer geht der schmale Pfad steil bergab. Mehrere hundert Steinstufen führen hinab ins Tal, während daneben die Wasserfälle in sieben Stufen ins Tal stürzen.

Ein bisschen hat mich die Landschaft und die Umgebung an unsere Levada-Wanderungen im letzten Urlaub auf Madeira erinnert.

Von den steilen, vermoosten Berghängen tropft das Wasser herab. Eine wundervolle, verwunschene Atmosphäre.

Weg am Wasserfall
Mal bergab – mal bergauf

Der Weg entlang des Allerheiligen-Wasserfalls gehört zur Wanderroute Renchtalsteig, die in mehreren Etappen von Bottenau bis zur Burgruine Schauenburg führt.

Treppe am Wasserfall
Gefühlte tausend Treppenstufen führen hinunter und dann auch wieder hinauf!

 

Sage
Viele Sagen und Geschichten ranken sich rund um Allerheiligen

Es gelingt mir leider nicht, die Schönheit der Wasserfälle und der herrlichen Natur in Worten wiederzugeben. Mark Twain, der auf seiner Europareise 1878 Allerheiligen und die Wasserfälle besuchte, beschrieb diese auf eine wundervolle, romantische
Weise in seinem Buch A Tramp Abroad:

„Den ganzen Nachmittag ging es bergauf. Um fünf oder halb sechs erreichten wir den Gipfel und plötzlich teilte sich der dichte Vorhang des Waldes und wir schauten in eine tiefe, schöne Schlucht hinunter mit einem weiten Panorama bewaldeter Berge dahinter, deren Gipfel in der Sonne leuchteten und deren von Lichtungen durchzogene Hänge von violetten Schatten gedämpft wurden. Die Schlucht zu unseren Füßen – genannt Allerheiligen – bot am Ende ihres grasbewachsenen Bodens gerade genug Platz für ein abgeschieden von der Welt mit ihren Belästigungen gelegenes, gemütliches, entzückendes Menschennest, und folglich hatten die Mönche der alten Zeit nicht verpasst, es zu entdecken. Hier waren die braunen und anmutigen Ruinen ihrer Kirche und ihres Konvents, die bewiesen, dass auch die Priester vor siebenhundert Jahren bereits den gleichen guten Riecher hatten, die besten Winkel und Ecken eines Landes aufzuspüren, wie heute….“

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schmale, tiefe Schlucht – hier stürzt das Wasser talwärts
Bachlauf
Unten angekommen!

Der gesamte Weg von Allerheiligen bis zum Parkplatz „Wasserfälle Allerheiligen“ beträgt nur ca. 1,2 km. Durch die vielen Treppenstufen und die Steigung dennoch nicht ganz einfach zu begehen.

Mein Resümee:

Allerheiligen und die herrliche Umgebung ist definitiv einen Ausflug Wert. Das Gästehaus „Löwenherz“ ist zum Übernachten gerade für größere Gruppen ideal. Im Gasthaus „Klosterhof-Allerheiligen“ kann man gut und zu angemessenen Preisen essen.

Ein Tipp für die Lehrerinnen und Lehrer unter meinen Lesern: Das Gruppenhaus „Barbarossa“ wird vom Verein EOS gerne an Schulklassen vermietet. Es werden verschiedene Programme und Erlebnis-Führungen angeboten. Eine tolle Idee für die nächste Klassenfahrt!

Auch für Seminare, Tagungen und Workshops (für Firmen, Vereine etc.) und für Familienfeiern sind die Räumlichkeiten geeignet. Es gibt mehrere, verschieden große und stilvolle Säle im Haus „Barbarossa“, die angemietet werden können. Oben auf dem Berg gibt es noch ein separates Seminarhaus, welches ebenfalls vermietet wird.

Die Allerheiligen-Wasserfälle sind auf jeden Fall sehenswert, ebenso die Kloster-Ruine.

Weitere Infos über Allerheiligen findet ihr auf der Homepage von EOS und unter Allerheiligen-Wasserfälle.

Ich wünsche Euch viel Spaß und einen tollen Ausflug in den Nationalpark Schwarzwald.

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