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Dinner im Dunkeln im Gewoelbekeller Speyer

Am Wochenende waren wir Essen, was ja an und für sich nichts Besonderes ist. Dieses Dinner jedoch fand im einem stockdunklen Raum statt, für uns eine außergewöhnliche und spannende Erfahrung!

Mitten in der Altstadt von Speyer befindet sich, in einer kleinen Seitenstraße, das von außen unscheinbare Hotel Garni „Alt Speyer“. Unter dem Hotel gibt es ein großes Kellergewölbe, in welchem das Event stattfand.Dinner im Dunkeln werden von verschiedenen Veranstaltern angeboten, man kann sie u. a. über mydays oder Jochen Schweizer
buchen. Wir haben uns für die Location in Speyer entschieden, da  hier ein 4-Gänge-Gourmet-Menü mit regionalen Zutaten ausschließlich in Bioqualität inklusive Weinbegleitung angeboten
wurde.  Außerdem liegt Speyer quasi vor unserer Haustür.

Im Eingangsbereich des Gewölbes befindet sich eine kleine Bar, die Garderobe und das Kochstudio. In dieser modern und stylisch eingerichteten Show-Küche werden Kochkurse und -events abgehalten.

Gewölbekeller in Speyer

Hier wurden wir und die zirka 30 weiteren Teilnehmer von unserem  Gastgeber, dem Bio-Gourmet-Koch und Chef des Hauses, Stefan Walch, begrüßt. Auf nette und sympathische Weise erläuterte Herr Walch den Ablauf des Abends. Natürlich waren wir alle gespannt, was uns erwarten wird. Während der Begrüßung bekamen wir, noch bei gemütlicher Beleuchtung, einen Rosé Sekt als Aperitif und leckeren Flammkuchen für den ersten Hunger serviert.

Begrüßung

Dann war es so weit und wir wurden von der Kellnerin paarweise in den völlig dunklen Speisesaal geführt. Da dieser Gewölbekeller über eine Art Schleuse aus zwei dichten Vorhängen betreten wird, fällt nicht der kleinste Lichtschimmer in den Raum. Die Kellnerin, die mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet war, führte uns zu unseren Plätzen.  Jeder hatte ein Platzset vor sich liegen, was laut Herrn Walch ganz wichtig ist, damit man sich orientieren und seinen Bereich „abstecken“ kann. Der Platz war zudem eingedeckt mit mehreren Bestecken, einem Wasser- und einem Weinglas.

Außer den kleinen roten Punkten an den Nachtsichtgeräten der Kellnerin und des Kellners, die uns bedienen würden, konnte man wirklich rein gar nichts sehen.

Als alle Gäste platziert waren, haben wir an unserem Tisch erst einmal durchgezählt, damit wir wussten, wie groß unsere Tischrunde ist. Wir saßen an einem Achtertisch. Durch Beschreibung des Aussehens wurde dann versucht, herauszufinden, wer mit am Tisch saß. Wir hatten uns während der Begrüßung die anderen Gäste gut angesehen. Aber leider konnten wir unsere Tischnachbarn von gegenüber, mit denen wir uns den ganzen Abend lang nett  unterhalten  haben, nicht identifizieren. Sie standen bei der Begrüßung außerhalb unseres Sichtfelds.

Auf dem Tisch stand eine Wasserkaraffe. Beim Einschenken hatte ich zu viel Schwung genommen, und mein Platz-Set unter Wasser gesetzt. Ziemlich schwer, sich Wasser einzuschenken, ohne etwas zu sehen. Wir hatten vorher gelesen, dass man den Finger ins Glas stecken soll, um festzustellen, wann es voll ist. Selbst das ist aber nicht  einfach, denn unser Tastsinn ist, anders als bei blinden
Menschen, nicht besonders gut ausgebildet.

Dann wurde es richtig spannend: Der erste Gang wurde serviert. Es wurde uns natürlich vorher nicht gesagt, was sich auf den Tellern befindet.

Es war leicht zu erkennen, dass es sich um Salat handelt. Aber die Salatsorten eindeutig zu  identifizieren war schon schwieriger. Der Salat war garniert mit einem Spieß. Ich habe Käse und Schinken herausgeschmeckt. Nachdem alle Teller wieder abgeräumt waren, wurde von den Kellnern aufgelöst, was wir gegessen haben. Der vermeintliche Schinken war Chorizo!

Nach dem Salat wurde als Zwischengang eine Suppe und Lachs (den ich als solchen nicht erkannte) serviert.  Als kleiner Gag wurde den Gästen jeweils abwechselnd unterschiedliche Suppen gereicht. Die einen bekamen Blumenkohlsuppe, die anderen Lauchcreme-Suppe. Dann gingen natürlich die Diskussionen los, denn wir gingen ja davon aus, dass jeder Gast das gleiche bekommen würde.

Als Hauptspeise gab es Rinderhüftsteaks mit verschiedenen
Gemüsesorten, Spargel und Rosmarinkartoffeln.

Das Dessert bestand aus drei kleinen Gläsern mit unterschiedlichem Inhalt: Es gab Creme Brulee, Obstsalat und einem warmen, weichen Schokoladenkuchen im Glas.

Zu jedem Gang wurde ein passender Wein aus biologischem Anbau und Weingütern aus der Region ausgeschenkt. Glücklicherweise
haben die Kellner den Wein eingeschenkt, sonst hätte es bestimmt
einige böse Rotweinflecken auf der Tischdecke gegeben.

Auch hier durften wir raten, um welche Weinsorte es sich jeweils handelte. Sogar für Weinkenner war das ziemlich schwer und kaum einer im Raum wusste die richtige Antwort.

Ich habe tapfer mit Messer und Gabel gegessen, mußte aber ab und zu mit den Fingern tasten und auch manchmal ein bischen nachhelfen. Am einfachsten war es, die Suppe mit dem Löffel zu essen. Das Essen mit Messer und Gabel war eine amüsante Herausforderung.

Ich fand es erschreckend, wie schwer ich mir damit tat, die einzelnen Speisen zu identifizieren. Für mich ist es unheimlich wichtig, zu
sehen was auf dem Teller liegt, damit ich das volle Geschmackserlebnis habe. Es heißt zwar, dass man im Dunklen mehr schmecken würde, da alle anderen Sinne außer dem Geschmackssinn heruntergefahren sind. Ich  hatte aber den Eindruck, dass ich mehr genießen kann, wenn ich mein Essen auch sehe.

Trotzdem hat es wunderbar geschmeckt, ein großes Lob an die
Küche! Und auch an die freundliche Kellnerin und ihre beiden Kollegen, die den Abend charmant moderiert und begleitet haben.

Zwei kleine Kritikpunkte habe ich noch anzubringen. Zu einen war es teilweise ziemlich laut im Raum. Offensichtlich neigt man dazu, im Dunklen lauter zu sprechen als sonst. Manchmal konnte man gar nicht verstehen, was der Tischnachbar erzählte. Zum anderen war es offensichtlich nicht vorgesehen, dass Wein nachgereicht wurde, zumindest bekamen wir das nicht angeboten. Nur auf Nachfrage wurde nochmals nachgeschenkt. Einige Männer im Raum waren
darüber nicht sehr glücklich…

Als das Dinner zu Ende war, durfte jeder Gast einmal durch das Nachtsichtgerät schauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie unsere Kellner uns und den Raum gesehen haben. Und natürlich konnten wir dann einen ersten Blick auf unsere Tischnachbarn und den Gewölbekeller werfen.

Danach wurde der Raum sanft mit Kerzenlicht erleuchtet, damit sich die Augen langsam wieder an die Helligkeit gewöhnen konnten. Nun sahen wir zum ersten Mal das stylische Kellergewölbe, in welchem das Dinner stattfand.

Draußen im Kochstudio hatte Stefan Walch alle Gänge nochmals nachgestellt, und wir konnten uns ansehen, was wir gegessen haben.

4-Gänge-Menue
Hier konnten wir uns das 4-Gänge-Menue nach dem Dinner nochmal ansehen.

Wir haben das „Dinner im Dunkeln“ sehr genossen und einen interessanten, kurzweiligen Abend verbracht. Ich kann das Event jedem empfehlen! Buchen kann man das Dinner in the Dark direkt beim Hotel „Alt Speyer“, Kosten pro Person inkl. Wein: EUR 89,– (auch als Geschenkgutschein erhältlich).

Für die jenigen, die nicht in der Nähe wohnen: Wie wär es mal mit
einem Wochenendausflug nach Speyer?  Das historische Städtchen bietet viele Sehenswürdigkeiten, u.a. den bekannten
Kaiserdom, mehrere interessante Museen, eine Sea Life Unterwasserwelt, eine charmante Altstadt, eine Fußgängerzone mit schicken
Geschäften, Restaurants und Straßencafés etc…

Im ***Hotel Garni „Alt Speyer“ kann man zu fairen Preisen übernachten. Ich habe die Zimmer nicht gesehen, aber die Fotos auf der Internetseite sehen vielversprechend aus. Es werden auch interessante Arrangements angeboten.

Neue Termine fürs „Dinner im Dunkeln“ bei Stefan Walch gibt es wieder ab September 2016. Für Gruppen ab 15 Personen können
individuelle Termine vereinbart werden.

Hast Du auch schon einmal an einem „Dinner im Dunkeln“ teilgenommen? Wie hat es dir gefallen?

Beitragsbild: Herzlichen Dank an Katharina Wieland Müller_pixelio.de.jpg

 

 

 

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